Was ist die Wahrheit? Wie schnell lassen wir uns manipulieren? Wie schnell manipulieren wir uns selbst? Wie verlässlich sind Zeugenaussagen?
Diesen Fragen ging der Theaterkurs der S4 unter der Leitung von Ina Roßocha am 25. und 27. Februar 2026 in seiner Aufführung des Stückes „Die dreizehn Geschworenen – bis zum letzten Zweifel“ nach und beeindruckte das Publikum mit einer dichten und intensiven Inszenierung.
Und wie kann man Menschen davon überzeugen, nicht einem vorschnellen Urteil zu verfallen? Vor allem, wenn dieses Urteil über Leben und Tod entscheidet. In einem fulminanten Überzeugungsmarathon gelang es der Geschworenen Nummer acht, Helin D., nach und nach alle Gegenstimmen zum Umdenken zu bewegen. Sie entlarvte die Vorurteile der anderen, in dem sie beharrlich nachfragte und ihre vorschnellen Urteile infrage stellte. Dabei wurde deutlich, dass viele den Angeklagten allein aufgrund seiner Herkunft, seines Aussehens und seiner sozialen Schicht bereits als schuldig ansahen. Ohne die Beweise wirklich kritisch zu prüfen, wären sie bereit gewesen, ihn der Todesstrafe auszuliefern. So wurde deutlich, wie wichtig mutige und kritisch denkende Menschen für eine Demokratie sind. Es zeigte, dass man sich nicht mit einfachen Erklärungen zufriedengeben sollte oder zu schnell von dem Druck der Mehrheit beeinflussen lassen darf. Es wurde bis zum letzten Zweifel diskutiert, gekämpft und überzeugt.
In dem komplexen Stück, dem man mit Aufmerksamkeit folgen musste, überzeugte der Theaterkurs durch eine emotionale, aufbrausende und auch humorvolle Darstellung der einzelnen Charaktere. Besonders beeindruckend war das durchdachte Bühnenbild, der geteilte Raum, der die Bühne in Schwarz und Weiß sowie auf drei Ebenen teilte und damit die zentrale Frage nach Wahrheit und Wirklichkeit symbolisch aufgriff. Insgesamt präsentierte der zwölfte Jahrgang eine durch und durch überzeugende Aufführung.
(I. Roßocha)